Ferien mit dem lockeren Robin in Kroatien, genau wie letztes Jahr: Frisch renoviertes Häusschen im hinteren Teil der Hotelanlage, direkt am klaren Meer mit Steinstrand. Seine Freundin Susanne wird erneut mit von der Partie sein, top gestylte Dame umhüllt vom Candy-Parfüm von Prada. Der Urlaub letztes Jahr mit seiner Tochter, meiner Kollegin Mona, waren der absolute Wahnsinn. Tagsüber spielten wir Beachvolley oder liessen uns auf unseren Luftmatratzen stundenlang im Meer treiben und abends sassen wir den Sonnenuntergang bewundernd mit unseren neuen Bekanntschaften am Meer. Von Robins und Susannes Anwesenheit bekamen wir nicht viel mit über. Auch sie konnten Kroatien in vollen Zügen geniessen.
Für dieses Jahr war schon wieder gebucht. So weit, so gut. Bis Mona und ich uns fürchterlich verstritten, einerseits wegen eines Missverständnisses, andererseits weil wir und beide in zwei komplett verschiedene Richtungen entwickelten. Nicht nur weil sie in Basel wohnt, sondern auch Interesse-mässig. Ich bin nunmal nicht jemand, der sich gerne jedes Wochenende in einem vollgestopftem Club von "hipper", viel zu lauter Musik beschallen lässt. Jedenfalls stauten sich immer mehr Kleinigkeiten an, ein Disput war vorprogrammiert. Aussprechen konnten wir uns nach dem Whatsapp-Zickenkrieg erst eine Woche vor Kroatien, wo wir gemeinsam beschlossen, dass es besser wäre, wenn ich in der Schweiz bleiben würde. Stornieren konnte man meine Buchung nicht mehr, wie uns beiden bewusst war. Also rief ich, respektvoll wie ich bin, ihren Vater Robin an um ihm Bescheid zu geben. Er und Susanne können mich, wie sie immer wieder zu betonen wussten, wegen meiner ruhigen Art sehr gut leiden. Das war also das mindeste was ich tun konnte. Höflich machte ich ihm meinen Standpunkt klar und entschuldigte mich für Monas und meinen kurzfristigen Entschluss. Als ich fertig war, äusserte er sich nicht gross dazu und wollte mit mir übers Geld diskutieren.
Dazu muss man wissen, Robin ist Verkaufsdirektor des Sitzes eines Autokonzerns in der Schweiz. Auch wenn ich nichts von Autos verstehe, weiss ich, dass es ziemlich finanzstark ist. Googelt man seinen Namen, sieht man ihn stets lächelnd mit Frauen oder anderen Geschäftsleuten posieren. Für die Geldfrage gab ich ihm also meine Mutter ans Telefon, nur dass er sie erst mal aufs übelste zusammenstauchte, was ich für eine schlechte Freundin sei und ob ich einen an der Waffel hätte, seiner Tochter so kurzfristig abzusagen. Jetzt will der sich ernsthaft in den den Konflikt zweier Teenagern einmischen? Meine Mutter kannte die Geschichte zwar auch aber bevor sie versuchen konnte mich vor ihm rechtfertigen, machte ich ihr klar, dass ich ihn noch einmal gern am Apparat hätte. Wie ein Kleinkind wiederholte er drei mal in Folge Monas Sichtweise ohne auf meine einmalige nüchterne Erklärung des Missverständnisses einzugehen. Ich kann den Typen seit dem Moment, in dem er mich scharf des resümieren bezichtigte, nicht mehr ernst nehmen. Schliesslich überwies meine Mutter das Geld trotzdem, weil es ihr zu nervenauftreibend wurde. Monate später stellte sich heraus, dass Robin sein Patenkind auf die Reise einlud.
Dieser Mann scheint alles zu haben: Zwei gesunde Kinder, seine Susanne, eine Menge Geld und Einfluss. Wobei ich mir bei der Reihenfolge nicht ganz sicher bin… Wie kann er nur so dreist sein?
Erfolgreich gelang es mir, während Mona und ich eine Zeit lang keinen Kontakt mehr hatten, ihn und seine infantile Art zu meiden. Seit letztem Sommer war ich zwei mal kurz bei ihnen zuhause und viel mehr Worte ausser einem knappen "Hallo" und "Tschüss" sind zwischen mir und Robin nicht gewechselt worden. Ist mir mehr als recht so.
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